Zombicde - Black Plague - Review

Spieler: 1-6
tatsächliche Spielzeit: 1-3h (je nach Szenario)
Genre: Koop-Dungeoncrawler, Hack and Slay
Thema: Zooooooombies im Mittelalter! (+ Elfen, Zwerge und Zauberer, was eigentlich gar nicht nötig gewesen wäre)
Komplexität: mittel
Catch Up: Nö.
Alter: ab 14
Sprache: deutsch
Autor: Raphaël Guiton, Jean-Baptiste Lullien, Nicolas Raoult
Verlag: Asmodee, Cool Mini or not

Anno Domini 1349. Der schwarze Tod wütet in der gesamten bekannten Welt und entvölkert ganze Landstriche. Die Opfer erheben sich aus ihren Totenbetten und jagen Alles und Jeden, getrieben von einem unersättlichen Hunger nach frischem Fleisch. Einmal gebissen durch einen dieser teuflischen Wiedergänger und dein Schicksal ist auf immer besiegelt! Stelle dich der untoten Horden. Nur vereint könnt ihr sie schlagen!


DIE SPIELMECHANIK

Die Spieler teilen die sechs Helden, die es in jedem Szenario gibt, beliebig unter sich auf. So kann man das Spiel zu sechst, aber auch alleine spielen. Das tut dem Spielgefühl keinen Abbruch, nichts muss auf Anzahl der Spieler angepasst werden. Entspannt.

Ziel ist es, das jeweilige Szenarioziel zu erreichen. Im Regelbuch befinden sich zehn Szenarien. Jedes Szenario sieht anders aus und wird mit eigenen Sonderregeln gespielt. Kein Problem, da das Spielmaterial einen modularen Aufbau zulässt. Mich regt es sogar dazu an, selbst Szenarien zu entwerfen. Probiert es aus, es geht wirklich leicht!

Die Helden müssen meist irgendwie von A nach B nach C, was einsammeln oder totschlagen und dann weiter. Das ist nicht wirklich das Interessante an der Sache. Der Weg ist das Ziel oder eher der Spaß. Der ist nämlich voll mit Zombies. Jeder Held hat drei Aktionen. Mit jeder Aktion kann er acht verschiedene Dinge tun: Bewegen (ein Feld vorziehen), Kämpfen (Nahkampf, Fernkampf, Magieeinsatz), Suchen (in Gebäuden nützliche Waffen und Ausrüstungsgegenstände finden), Lärm machen (lockt Zombies an), eine Tür aufbrechen, etwas aufheben (Missionsziele, Artefakte), Ausrüstung mit einem anderen Held tauschen und nichts tun (einfach rumstehen geht auch).
Also bspw. nimmt sich mein Held den Flitzebogen, den der Magier in einer Gerümpelecke gefunden hat (1. Aktion), rennt dann um eine Ecke auf die Straßenkreuzung zu (2. Aktion) und schießt dann einem herannahenden Zombie zwischen die Augen (3. Aktion).

So führen dann alle Helden ihre Aktionen durch und wenn alle fertig sind, sind die Zombies dran! Die greifen an, sobald sie einen Helden vor sich haben und machen richtig Schaden. Einen Punkt pro Zombie und Helden haben nur drei Lebenspunkte. Also ist man ruckzuck aus dem Spiel, wenn man sie zu nah an sich heranlässt. Ist kein Held in der Nähe, schlurfen sie eben auf den lautesten Helden zu, den sie sehen können. Können sie nichts sehen, laufen sie auf die lauteste Lärmquelle zu. So einfach arbeitet ein Zombiehirn und deswegen brauch man auch keinen Spieler, der die Zombies lenkt. Lärm entsteht durch das Eintreten von Türen, durch das Herumbrüllen von Zaubersprüchen oder durch mutwillige Erzeugung zur Ablenkung. Wenn man richtig damit umgeht, kann man die Zombieströme gut hin und herlocken und sich etwas Zeit kaufen. Das ist dann so wie Schafe hüten und treiben, nur das die Schafe einen nicht auffressen, wenn man ihnen zu nahe kommt. Egal.

Als letztes kommt die Brutphase. Der Ausdruck ist wohl ein Übersetzungsfehler. Zombies brüten nicht. Man könnte es auch Spawn nennen und zumindest die PC Spieler unter uns wissen was gemeint ist. Neue Zombies erscheinen am Kartenrand und betreten das Spielfeld. Das läuft so ab, indem man für jeden Spawnpunkt auf dem Spielfeld eine Karte zieht. Die zeigt an, wie viele und von welcher Sorte. Es gibt Schlurfer, das ist der typische lahmarschige Zombie, Läufer, die sind doppelt so schnell, Fettsäcke, die ziemlich viel einstecken können und Monstren, denen willst du nicht begegnen. Hin und wieder erscheint ein Totenbeschwörer und erhöht die Spawnrate immens, solange man ihn nicht umbringt. Ist allen angeraten.

Die Spawnrate wird außerdem noch durch die Erfahrungspunkte der Helden erhöht. Umso besser die Helden, umso mehr Zombies kommen. Helden sammeln nämlich für erreichte Missionsziele und getöte Zombies Erfahrungspunkte und erhalten so mehr und mehr Zusatzfähigkeiten. Ganz nett, aber ich erwähne es am Rande, weil es das echt in jedem Dungeoncrawler gibt.

Gekämpft wird per Würfelwurf. Umso besser die Waffe, die man trägt, umso niedriger ist das zu erreichende Ergebnis und umso mehr Würfel hat man dafür. Interessant dabei ist, dass sich Schaden nicht addiert und bestimmte Zombies, mehr als einen Lebenspunkt haben. Im Klartext, mein Dolch macht nur einen Schaden, auch wenn ich dafür zwei Würfel werfen darf. Treffen beide Würfel mache ich nicht zwei Schaden, sondern 2x einen Schaden. D.h. wiederum, dass ich damit zwar zwei Schlurfer (je 1 Lebenspunkt) umkloppen kann, aber noch lange keinen Fettsackzombie, der hat nämlich 2 Lebenspunkte und braucht eine Waffe, die auch 2 Schaden macht. Wie ein Vorschlaghammer oder sowas. Die Monstren haben sogar 3 Lebenspunkte und keine Waffe im Spiel macht drei Schaden...Tja, was nun?

So wird sich fröhlich durch die Horde gekloppt, wobei auffällt, dass man immer wieder trickreich sein muss, um nicht überrannt zu werden. Versteckt euch, während Andere die Zombies durch Lärm anlocken, damit sie vorbeiziehen. Kippt „Drachengalle“ auf der Straßenkreuzung aus, lockt so viele Zombies wie möglich dorthin und werft ne Fackel rein. Das verursacht ein Inferno. Passt auf, wenn ihr Türen aufmacht, es kann einem jederzeit was entgegen springen! Setzt Zaubersprüche gekonnt ein, es gibt auch welche, die einen schneller oder unsichtbar machen. Es ist dann eben doch mehr zu tun, als nur stur auf die Zombiemassen „einzuwürfeln“.


DAS THEMA

Sehr geile Idee aus dem Schwarzen Tod, den Schwarzen Zombietod zu machen! Die Überlieferungen aus dem Mittelalter, sei es schriftlich oder über Holzschnitte, Malerei und Bildhauerei laden dazu ein, Zombies hineinzudichten. Immerhin ist halb Europa daran gestorben. Ziemlich apokalyptisch oder? Schade finde ich ausnahmsweise, dass man noch Fantasy Elemente hineingebracht hat (Elfen, Zwerge, Zauberer), wahrscheinlich aus Marketing-technischen Gründen. Das Thema wäre in einem historischen Kontext aufregender, frischer und extravaganter gewesen. Aber was soll´s? Es passt doch alles ziemlich gut ineinander.


Für Wen:

Liebhaber des Zombiegemetzels. Wer gerne Dawn of the Dead, Zombieland oder Braindead schaut und PC Spiele wie Left4Dead, Dead Island oder Dead Rising spielt, hat hier eine würdige Brettspielversion gefunden.
Idealer Dungeoncrawler, schlankes Design, moderate Spielzeit und dennoch taktischer Anspruch sorgen dafür, dass Zombicide getrost an Descent vorbeiziehen darf.
Super Storytelling. So eine Partie steckt voller epischer Begebenheiten.


Für wen nicht:

Der Glücksfaktor, der hier wichtige Grundlage für das Storytelling bildet, sorgt eben auch für Unberechenbarkeit.
Mir hätte eine historische Konzeption besser gefallen als Fantasy.


FAZIT

Zombicide Black Plague ist ein ausgezeichneter Dungeoncrawler mit gut in die Spielmechanik eingebettetem Zombiethema. Selten bekommt man in diesem Genre so wenig Regeln vorgesetzt und hat dennoch ordentlichen taktischen Tiefgang. Das Regelbuch mag zwar dick sein, aber alles ist sehr gründlich und plausibel dargestellt, sodass einmaliges Lesen absolut ausreicht und im Notfall schnell nachgeschlagen ist. Im Vergleich zu Descent oder Imperial Assault ist Zombicide Black Plague, wenn auch etwas abgespeckt, doch weitaus eleganter. Probiert es aus!


DIE ZWEITE MEINUNG:

Der dicke Kumpel vom dicken Tom Vassal hat ein nettes Video dazu gedreht, gerade weil er die Neuerungen zum alten Zombicide herausstellt:

https://www.youtube.com/watch?v=nTqJ0FVeJsw


Schon gespielt? Dann schildert uns doch kurz eure Erfahrungen:

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