The Grizzled - Review

Spieler: 2-5
tatsächliche Spielzeit: unter 1 h
Genre: kooperatives Kartenspiel
Thema: 1. Weltkrieg
Komplexität: einfach
Alter: 14
Sprache: Englisch
Autor: Fabien Riffaud, Juan Rodriguez
Illustrator: Tignous
Verlag: Cool Mini or Not

The Grizzled ist ein kooperatives Kartenspiel, indem man die Rollen eines Trupps französischer Soldaten einnimmt und gemeinsam versucht die Strapazen des Krieges zu überstehen. Der Krieg dauert viel länger, als erwartet und dies schlägt sich stark auf die Moral der Männer nieder. Viele erliegen nicht nur physischen, sondern auch psychischen Traumatas.


DIE SPIELMECHANIK

Jeder Spieler übernimmt einen Soldaten. Der haarigste unter ihnen ist der Anführer. Er entscheidet wie viele Karten in der aktuellen Spielrunden vom „Trial“-Stapel gezogen werden. Es ist Ziel des Spiels, diesen Stapel gänzlich abzuarbeiten. Dann gilt es, diese Karten auszuspielen. Ausgespielt bilden sie in der Mitte des Tisches das Niemandsland, das Gebiet zwischen den Fronten, in dem der Tod lauert. Denn es gibt Bedrohungen, die auf den Karten abgedruckt sind (Gasangriffe, Artilleriebeschuss, Sturmangriffe, Schnee, Regen, Nacht, Fallen) Niemals darf ein Symbol dreimal auftauchen, sonst ist die Mission des Teams gescheitert. Auch gibt es „Hard Knock“ Karten, welche die Spieler psychisch oder physisch verwunden. Traumata sorgen dafür, dass die Spieler mit bestimmten Bedrohungen nicht mehr umgehen können (Angst vor Nacht, Gas, etc...), andere verändern das Spielverhalten (Die „Mute“ Karte verbietet dem betroffenen Spieler die Kommunikation mit Anderen). Diese „Hard Knocks“ werden nicht ins Niemandsland gespielt, sondern an den Spieleravatar angehängt. Er darf nicht mehr als vier ansammeln oder das Spiel ist verloren.

Irgendwann haben dann die Spieler keine Karten mehr oder können keine mehr ausspielen, da sie sonst die Mission gefährden. Dann ist der Rückzug angebracht. Denn scheitert die Mission, werden die ausgespielten Karten in den „Trial“-Stapel zurück gemischt und alles war vergeblich. Gelingt die Mission, kommen die gespielten Karten aus dem Spiel und die Spieler kommen ein Stück voran. Allerdings gibt es da noch die „Moral Drop“-Phase. Für jede Karte, die die Spieler nicht ausspielen konnten wird eine Karte vom sogenannten Moralstapel auf den „Trial“-Stapel gelegt. Dies verlängert das Spiel wiederum. Die Spieler verlieren es sogar, wenn der Moralstapel leer gezogen wurde. Es ist also ein zähes Ringen und die richtige Strategie, kombiniert mit angemessener Risikobewertung, führt zum „Sieg“ oder eher zum überstehen der Situation.

Es gibt noch ein paar andere Elemente. Zum Beispiel können Spieler motivierende Reden halten, indem sie Tokens ausgeben. Das führt dazu, dass Spieler böse Karten aus ihrer Hand einfach abwerfen können. Auch können die Spieler ihren „Good Luck Charm“ einsetzen, um Bedrohungen aus dem Niemandsland zu entfernen oder anderen Spielern „Support“ in Form einer warmen Tasse Kaffee, in Form eines Tokens geben, was „Hard Knocks“ entfernt. Aber Vorsicht, alle diese Aktionen sind limitiert und bald nicht mehr verfügbar. Mit allem muss gut gehaushaltet werden.


DAS THEMA

Das Thema wirkt anfangs ein wenig grotesk und nicht passend für ein lockeres Spiel für zwischendurch. Allerdings werden die Spieler bald vom kooperativem oder sagen wir besser kameradschaftlichen Geist dieses Spiels in den Bann gezogen. Sobald sie merken, dass es hier nicht um das Abknallen und Zerstören von Gegnern geht und in keinster Weise Krieg verharmlost oder gar glorifiziert wird, sondern um Teamwork, entfesselt das Spiel seine Magie. Ich will es mal nicht übertreiben, aber ein bisschen kommt man schon ins Nachdenken. Das Spiel simuliert in keinster Weise das Kriegsgeschehen des 1. Weltkriegs, dass kann und will es nicht. Aber es vermittelt ein Gefühl des Zusammenhaltens. Ich glaube, unsere Vorfahren hätten dieses Spiel sehr gerne in ihren Feldlagern gespielt, um ihre Zeit etwas erträglicher zu gestalten. Und laut beiliegender Beschreibung, ist es auch genau diesen Menschen gewidmet.


ARTWORKS UND KOMPONENTEN

Die Artworks waren mein primärer Anschaffungsgrund, auch und gerade nach den Anschlägen auf Charlie Hebdo, habe ich mich aus politischem Interesse mit den Opfern und dem Verlag beschäftigt. Dass Tignous „The Grizzled“ als eines seiner letzten Werke illustrierte, es erschien erst nach den Anschlägen, weckte als Brettspieler mein besonderes Interesse. Dieser Kontext macht natürlich noch kein gutes Spiel, aber ich muss sagen, dass die Zeichnungen es in sich haben. Man erkennt in ihnen Liebe und Empathie für die armen Teufel der Weltkriege, die so viel durchmachen mussten und nur sich gegenseitig hatten. Außerdem ist es im Stile der Karikaturen des frühen 20. Jahrhunderts gezeichnet worden und wirkt fast so, als könnte es aus dieser Zeit stammen.


FÜR WEN:

Die keine Berührungsängste mit schwierigen Themen haben.
Es ist das perfekte Spiel für zwischendurch, als Lückenfüller etc.
Man kann das prima in der Kneipe spielen.


FÜR WEN NICHT:

Es ist nur ein kleines Spiel für zwischendurch, also erwartet nichts Übernatürliches.
Der Wiederspielwert liegt so bei 20 Partien. Das Add-On soll das Problem aber lösen.
Leute, deren Überzeugung es ist, das Krieg nicht auf den Spieltisch gehört.


FAZIT

Eigentlich habe ich schon sehr viel Fazit in oberen Rubriken verstaut. Abschließend möchte ich noch einmal sagen, dass ich „The Grizzled“ gerne spiele. Gerne, weil es mit den Spielern etwas macht, anfangs rümpfen sie etwas die Nase und dann „Schnipp“ sind sie plötzlich ein Team. Ein Team, was sich nicht unterkriegen lässt.

Mechanisch gesehen erinnert „The Grizzled“ ein wenig an Onirim, was ich auch äußerst nett finde. Allerdings hat man eben irgendwann den Bogen raus. Man kann den Schwierigkeitsgrad noch etwas erhöhen indem man mit einem dickeren „Trial“ Stapel beginnt, aber irgendwann ist das durch. Macht nichts. Es ist ein kleines Spiel für zwischendurch, um auch einmal Leute, die selten Spielen, ins Boot zu holen und gleich mit einem Thema auseinanderzusetzen, mit dem der Gelegenheitsspieler eigentlich nicht so viel am Hut hat. Es ist auf jeden Fall spannend, die Reaktionen zu beobachten. Aber es eignet sich auch um grimmig in der Kneipe am Runden Tisch zu sitzen und Karten hinzurotzen. Schade, dass in Kneipen nicht mehr geraucht wird.


Schon gespielt? Dann schildert uns doch kurz eure Erfahrungen:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0