Galaxy Trucker - Review

Galaxy Trucker ist ein Spiel, bei dem man unter Zeitdruck ein Raumschiff aus Komponentenplättchen zusammenbaut und dann zusieht, wie es sich im Einsatz bewehrt.
Durch den Zeitdruck entstehen natürlich keine idealen Konstruktionen und so kann es im späteren Raumflug sehr oft zu „Komplikationen“ kommen. Und das mitzuerleben kann ziemlichen Spaß machen.

Spieleranzahl: 2-4 (Spielt sich mit jeder Anzahl gut)
tatsächliche Spielzeit: ca. 90 min
Genre: Schwer zu sagen... Puzzlespiel unter Zeitdruck?
Thema: Science Fiction
Komplexität: Leichter Zugang, Komplexität steigt während des Spiels stets an
Catch Up: Keine
Alter: Ab 12 Jahren
Autor: Vlada Chvátil
Sprache: deutsch

Komponenten:


1 Flugbrett
8 Raumschiff Brettchen
4 Klasse I/II
4 Klasse III/IIIa
4 Nummer Tokens
65 Cosmic credits (Stückelung 1/2/5/10/50) [64 in der zweiten Edition]
144 Raumschiffbauteile
62 Karten
8 Raumschiffchen
40 Astronauten
8 Aliens
36 Batteriesteinchen
56 hölzerne Warensteinchen
2 sechseitige Würfel
1 Sanduhr
1 Regelbuch



DIE SPIELMECHANIK

Das Spiel besteht aus drei Runden, welche jeweils in zwei Phasen eingeteilt sind. Die Konstruktionsphase und die Flugphase.

Für Phase eins liegen jede Menge Plättchen verdeckt auf dem Spieltisch. Auf ihrer Unterseite sind Raumschiffbauteile abgebildet, die man benötigt, um ein Raumschiff flug- und einsatzfähig zu machen. Alle Spieler sind gleichzeitig an der Reihe, decken in wilder Raserei Plättchen aus der Mitte auf und bauen sie auf ihrem persönlichen Raumschiffplan an bereits bestehende Bauteile an. Die Bauteile verfügen über verschiedene Anschlüsse, die nicht immer mit den bestehenden kompatibel sind, was den Bauprozess ganz schön knifflig macht. Außerdem sind nicht alle Bauteile in ihrer Funktion gleich und man muss genau aufpassen, um an die Teile zu kommen, die noch gebraucht werden.

Es gibt Antriebsteile, welche das Schiff schneller machen, Laserkanonen, um Piraten und Asteroiden abzuknallen, Frachträume um Ladung aufzunehmen, Crewkabinen, die Astronauten beherbergen, welche man z.B. für Außenmissionen braucht, Schildgeneratoren um sich vor Einschlägen zu schützen und Batterien, welche vitale Funktionen deines Raumschiffs mit Strom versorgen sollen, spezielle Lebenserhaltungssysteme, welche sonderbaren aber versierten Aliens an Bord den Aufenthalt ermöglichen und, und, und...

Außerdem kann man zwischendurch in ein Deck aus Karten lunzen, welches die Ereignisse beschreiben, auf die die Schiffe bald auf dem Raumflug treffen werden, was den Bauprozess etwas „zielgerichteter“ macht, ich kann es nur jedem empfehlen.

Während des Bauens, können Spieler, die tatsächlich denken, sie hätten einen Vorsprung, eine Sanduhr umdrehen. Wenn diese abläuft, ja dann muss das Schiff fertig sein. Eigentlich wird selten ein Schiff wirklich fertig, aber es fliegt doch bestimmt auch mit nur einer Antriebsdüse oder Schilden, die nur die Hälfte des Rumpfes schützen, hoppla, da hängen noch Kabel und Drähte in den freien Raum heraus...ach, passt schon.

Diese Phase ist stressig, aber auch sehr spannend. Da man gelegte Teile nicht mehr verschieben kann, ist es oft eine Herausforderung, Fehler zu umbauen oder irgendwie auszugleichen. Ist man schon fertig, ist es eine wahre Wonne seinen Mitspielern zuzuschauen, wie sie versuchen ihr dilettantisches Etwas, was einmal ein Raumschiff werden sollte, zurechtzubiegen.

Die Flugphase beginnt damit, dass jeder sein Raumschiff starten lässt indem er seine Startposition auf der galaktischen Fahrbahn mit einem Spielstein markiert. Wer zuerst fertig ist, darf die Poleposition einnehmen, die anderen Schiffe reihen sich weiter hinten im Konvoi ein. Wer am Ende der Reise vorne liegt, bekommt Extrapunkte.

Danach wird ein Deck aus Karten durchgeackert. Jede Karte betrifft jeden Spieler, meist in der Reihenfolge seiner Platzierung. Die Karten zeigen negative und positive Ereignisse, welche den Truckern auf dem Flug begegnen. Mal können sie Fracht aufladen, auf Kosten von Flugtagen (d.h. Sie werden auf der Rennstrecke nach hinten verschoben). Fracht kann man, sofern man natürlich den Flug überlebt, später verkaufen (Geld=Siegpunkte). Mal wird man von Piraten angegriffen was gut oder schlecht ist, je nachdem wie stark man mit Laserkanon bestückt ist. In Waffen vernarrte Aliens an Bord können da durchaus auch aushelfen.
Dann gibt es noch Asteroidenschauer, welche dir das Schiff kaputtmachen, hast du keine Schilde oder Waffen, die das aufhalten. Und das meine ich ernst! Kannst du einen Asteroiden nicht aufhalten, dann knallt er von einer zufällig bestimmten Richtung auf dein Schiff und reißt ein Bauteil heraus. Bildet besagtes Bauteil die einzige Querverbindung zu weiteren Teilen, dann darfst du dich auch von diesen verabschieden! Oft wird ein solches Ereignis von einem verzweifelten Aufschrei aus deiner Kehle, sowie ekstatischem Jolen deiner geliebten Mitspieler begleitet. Vor dem inneren Auge siehst du Waffenphalanxen, Antriebsdüsen, Warenladungen und zappelnde Crewmitglieder ins Alle hinaus treiben und im Dunkeln verschwinden. Das geht unter die Haut.
Und Asteroiden sind erst der Anfang...

Während du zusehen musst, wie dein Raumschiff mehr und mehr an Funktionstüchtigkeit einbüßt, bekommst du es mit jeder Karte mit neuen Problemen, aber auch neuen Gelegenheiten zu tun. „Oh, ein verlassenes Raumschiff, fette Beute, wenn ich drei Crewmitglieder rüberbeame, dann kann ich es bergen und verkaufen. Jack, Pit und Jo, ab in den Transporterraum.... Na los doch! Jack?“ Wie gesagt, wenn du noch die Voraussetzungen zum Erfüllen der Aufgaben besitzt.

Wenn alle Flugkarten durchgespielt wurden, gibt es für die überlebenden Trucker eine Endwertung und zusätzliche Punkte.

Insgesamt baut und fliegt man ein Schiff in diesem Spiel drei mal und jedes mal werden die Schiffe größer, mit ihnen wachsen allerdings auch die Herausforderungen und Belohnungen. D.h. Es ist gar nicht schlimm sein erstes Schiff zu versemmeln. Runde 1 ist nur zum Aufwärmen. Die richtige Kohle gibt es in den späteren Runden.

Wer am Schluss das meiste Geld verdient hat, darf sich mit Fug und Recht Obertrucker schimpfen.

DAS THEMA

Ich muss zugeben, dass ich schon im oberen Teil zur Spielmechanik ein wenig in die Thematik abgedriftet bin. Das hängt damit zusammen, dass das Spiel Thematik und Mechanik super verbindet. Es ist diese Art von Science Fiction in der der Prolet den Weltraum bereits erobert hat. Dosenbier im Cockpit und ein Wunderbäumchen über den Armaturen. Ich liebe das Gefühl sich mit seinem zusammengetackerten Kahn gerade nochmal um eine Katastrophe herumgesteuert zu haben und im Rückspiegel zuschaut, wie deine Kollegen dieses Glück nicht teilen konnte. HONK! HONK!
Wenn es einen dann selbst erwischt, fühlt es sich nicht so schlimm an, es ist einfach zu lustig, als dass man sich beschweren kann.

ARTWORKS UND MATERIAL

Die Komponenten sind sehr hochwertig und gut sortiert. Da muss man sich wirklich keine Sorgen machen. Ich persönlich halte die knubbelige und billige Videospieloptik für ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber sie ist zumindest originell.
Auch sind die Abbildungen sehr gut mit der Mechanik verwoben, was die Regeln leichter nachvollziehbar macht. Ich erkenne zum Beispiel direkt an den Abbildungen, dass eine doppelte Laserkanone beim Einsatz Energie verschlingt, da ich kleine grüne Batterieelemente auf ihr erkennen kann, welche auf das Batterieteil hinweisen, was ich unbedingt dafür bauen sollte.

FÜR WEN:

Leute, die gut verlieren können
Für Liebhaber der gepflegten Risikokalkulation
Ideal für den Abend mit Bier und Chips und wenn es auch mal lauter werden darf
Auch für Strategen, da die Herausforderung durchaus anspruchsvoll ist

FÜR WEN NICHT:

Es kann schon wehtun, dass nicht immer die beste Konstruktion auch die meisten Punkte bekommt. Oft wird man einfach durch Pech ziemlich in die Pfanne gehauen.
Leute, die den Zeitdruck nicht mögen

FAZIT:

Für meine Sammlung ein Muss. Ich habe inzwischen sogar einen Cowboy Hut rausgekramt, den ich mit Ehren bei fast jeder Partie dabei habe. Dann noch schöne Truckermusik ala ZZ Top, Johnny Cash oder Lynyrd Skynyrd aufgelegt und ab geht die Luzzi.

Es ist ein Strategiespiel mit Anspruch, ohne ein Strategiespiel mit Anspruch zu sein. Wenn man mit dem Chaosfaktor zurechtkommt, und ihn sogar liebt, wie ich das tue, dann ist Galaxy Trucker eines der besten Spiele die man kriegen kann.

Die beiden großen Erweiterungen erhöhen den Strategiefaktor immens, da sie eine Vielzahl neuer Bauteile und Crewmitglieder hinzufügen, was den Bauprozess weitaus komplitzierter macht, dir aber erlaubt, eine bessere Antwort auf die Bedrohungen zu finden. Für die Strategen unter uns auf jeden Fall ein Kaufargument. Allerdings empfehle ich, das Grundspiel vorher mehrmals zu spielen, bevor man sich den Erweiterungen zuwendet. Ich selbst bin sehr sehr lange beim Grundspiel geblieben.


DIE ZWEITE MEINUNG

Her ein schön kurzes Videorewiev von humorvollen Engländern die ihren Channel "Shut Up & Sit down" nennen:

https://www.youtube.com/watch?v=Ryg4UHW57s0

 


Schon gespielt? Dann schildert uns doch kurz eure Erfahrungen:

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