Die Alchemisten - Review

Spieler: 2-4

tatsächliche Spielzeit: 120 min

Genre: Worker Placement, Deduktion, App-gestütz, Eurogame

Thema: Die wunderbare Welt der Alchemisten der Magierakademie

Komplexität: hoch

Autor: Matúš Kotry

Verlag: Czech Games Edition, Heidelberger Spieleverlag

Sprache: Deutsch

 

 

Die Alchemisten ist ein Spiel indem man sich als Quacksalberalchemist auf der Zauberakademie hohen Ruhm ergaunern...ähm erarbeiten muss, indem man Zutaten in einen Kochtopf schmeißt und guckt, was dabei herauskommt. Umso "wissenschaftlicher" man dabei vorgeht, umso besser, aber umso langsamer ist man. Allerdings kann man später immer noch versuchen, die Theorien der voreiligen Dummschwätzer zu widerlegen, die sich, aus Ruhm-und Geldgier, zu weit aus dem Fenster gelehnt haben. Hehe, wer zuletzt lacht, lacht am besten...

 

 

DIE SPIELMECHANIK

 

Ziel ist es über sechs Spielrunden möglichst viel Ruf („Siegespunkte?“-“Ja, richtig.“) zu sammeln, um der „beste“ Alchemist der Welt zu werden. Dabei ist dir jedes Mittel recht.

 

 

Du beginnst damit, reihum die Spielreihenfolge festzulegen (ähnlich wie bei Viticulture), wer früher aufsteht, ist früher dran, hat aber weniger Boni.

 

 

Danach plant ein Spieler nach dem anderen seine fünf Aktionen. Dabei blockiert man nicht, wie für Workerplacement gewohnt, die Schaltflächen, sondern hat freie Auswahl. Das wichtige nur, wer zuerst plant, ist mit dem Ausführen zuletzt dran und verrät allen anderen Spielern seine Vorhaben. Das kann ein großer Nachteil werden.

 

 

Was gibt es für Aktionsfelder (in Reihenfolge)?

 

 

Zutaten im Wald pflücken: In Form von Zutatenkarten, die man zieht oder aus einer Auslage aussucht.

 

 

Gold herstellen: Ja, aus Zutaten Gold machen, sehr ineffizient. Ist noch niemand dadurch reich geworden.

 

 

Tränke verkaufen: Jede Runde kommt ein Held in die Stadt und braucht frische Tränke für seine Ausflüge. Hier kommt das Geld rein, vorausgesetzt, du bist der schnellste und der billigste Händler.

 

 

Artefakte kaufen: Teuer aber wirksam, weil sie dir dauerhaft Boni im Spiel bringen.

 

 

Theorien aufstellen und widerlegen: Finde heraus, welche Elemente hinter den Zutaten stecken und teile das der Akademie mit. Das ist ein Kernelement des Spiels, kommen wir später dazu.

 

 

Tränke von Studenten trinken lassen oder selbst trinken: Mische Zutaten zusammen und teste das Gebräu. Selbst trinken ist billiger, aber das kann auch ordentlich Nebenwirkungen haben. Willst du der sein, der nackt auf dem Marktplatz steht und Hänschen-Klein lallt oder soll das lieber einer deiner Studenten machen? (Hat Auswirkungen auf Ruf, Aufstehzeit und Aktionspotential)

 

 

Ich glaube, wie man Geld verdient, ist hier relativ klar, die Auktionsmechanik auf dem Marktplatz sparen wir uns, die ist zwar spannend, doch lenkt das jetzt vom Kerngeschäft des Spiels ab: Die wunderbare Welt der seriösen Wissenschaft (es heißt nicht ohne Grund Alchemie...)!

 

 

Die Zutaten die man im Wald pflückt, lassen sich zu einem Trank vermischen. Welcher dabei raus kommt, sagt einem die App. Man fotografiert mit dem Smartphone die beiden nebeneinander liegenden Zutaten, die man haben will und man bekommt einen Trank (Heil-und Gifttrank, Intelligenz- und Dummheitstrank, Geschicklichkeits- und Lähmungstrank, also drei Kategorien in positiver und negativer Ausprägung). Das Ergebnis sollte man möglichst geheim Festhalten (dabei helfen einem die Spielmaterialien Sichtschirm, Notizblock und Ergebnistabelle), damit niemand von deinem Wissen profitieren kann, hehe...

 

Wer viel weiß, kann viel und flexibel brauen, was beim Verkauf von Tränken an Helden helfen kann, wenn man mal wieder schnell einen Trank aus dem Hut zaubern soll.

 

 

Interessant ist aber noch etwas anderes. Hinter jeder Zutat steckt ein „alchemistisches“ Element. Ich mach es hier mal nicht zu kompliziert, aber davon gibt es eben acht Stück. Und im Laufe eines Spiels muss man per Deduktion herausfinden, welches Element welcher Zutat zu Grunde liegt. Damit man das nicht für spätere Partien auswendig lernen kann, stellt die App die Kombinationen immer wieder unterschiedlich zusammen, was jedes Spiel neues Forschen möglich macht. Ist das nicht klasse?

 

 

Wenn man der Meinung ist, ein Element einer Zutat zuordnen zu können, darf man das als Theorie veröffentlichen. Das gibt Rufpunkte, besonders wenn man das als erster macht. Es reicht, die Theorie einfach nur aufzustellen, du brauchst nichts beweisen. Widerlegen können die anderen, es tut aber weh, wenn denen das gelingt, also immer abwägen (Man verliert Rufpunkte, ist ja auch peinlich).

 

 

Es gibt noch eine Endwertung, die Dinge wie Gold, Artefakte und nicht aussgespielte Karten in Rufpunkte umwandelt sowie eine Tränkesschau, wo man noch übrige Zutaten verbrauen kann, um mit den Ergebnissen vor der Menge angeben kann, was Ruf einbringt. Dann wird ausgezählt, und wer am meisten Ruf hat gewinnt.

 

 

 

DAS THEMA

 

Workerplacement mit starker thematischer Umsetzung gibt es ja nicht so viele. Die Alchemisten ist eigentlich das Stärkste, was ich kenne. Dilettantisches Zurechtbrauen von Tränken in Eile und Konkurrenzdruck, Theorien aus dem Ärmel schütteln und zu hoffen, dass es niemand widerlegt, am Basar den Helden Dinge anbieten, von denen man selbst nicht so wirklich Ahnung hat, was da drin ist und sich die Haare raufen, wenn irgendeine, in Eile gefertigte Notation fehlerhaft war, die dein ganzes System zusammenbrechen lässt. Was gibt es schöneres als solide Grundlagenforschung!

 

 

 

ARTWORKS UND KOMPONENTEN

 

Die Qualität stimmt, es ist aber sehr viel Spielmaterial. Also viel sortieren und in Tütchen packen, damit es nachher noch entwirrbar bleibt. Die Sichtschirme sind gelungen und praktisch und auch wirklich notwendig. Artworks sind knubbelig, aber nicht so langweiliger, gewöhnlicher Aquarellkram mit seichter Mittelalterthematik, wie man es kennt. Schöne, nette Karikaturen und liebevoll gestalteter, wimmelnder Spielplan!

 

 

 

FÜR WEN:

  • Eurogamer, haltet dieses Spiel hoch!

  • Witzbolde, Tunichtgute und Hochstapler

  • Anspruchsvolle Strategiespielerfahrung bei dem der Kenner auf seine Kosten kommt

 

 

FÜR WEN NICHT:

  • Wer Apps nicht mag... da ist ´ne App drin.

  • Das Layout wirkt lieblich, es ist aber trotzdem ein umfangreiches Strategiespiel drin, also nichts für zwischendurch.

 

 

 

FAZIT

 

Lustig, anspruchsvoll, ansprechend und äußerst innovativ. Deduktion und „wissenschaftliches“ Arbeiten thematisch und mechanisch ausgezeichnet umgesetzt. Dieses Spiel wird euch überraschen. Durch die App wird ein sehr hoher Wiederspielwert gewährleistet und die Golem Erweiterung sorgt noch einmal für Monate andauernde Abwechslung und stetig gewährleisteten Anspruch. Wohl eines der ausgefallensten Workerplacement Spiele auf dem Markt.

 


Schon gespielt? Dann schildert uns doch kurz eure Erfahrungen:

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