51st State: Master Edition Review

Spieler: 1-4 (am besten zu zweit)
tatsächliche Spielzeit: 60-90 min
Genre: strategisches Kartenspiel, Enginebuilder, Eurogame
Thema: Die Endzeit (Neuroshima Hex Universum)
Komplexität: mittel, anfangs etwas unübersichtlich
Catch Up: Ruinen Mechanik kompensiert, dass das Abfackeln von Gebäuden zu sehr weh tut.
Alter: ab 14
Sprache: englisch
Autor: Ignacy Trzewiczek
Verlag: Portal Games

„Ich bin nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen.“
-Albert Einstein


51st State ist ein strategisches Kartenspiel, welches in einer Zeit spielt, indem es weder Recht noch Ordnung gibt, in der die Siedlungen der Wehrlosen von räuberischen Banditen geplündert werden. Eine Zeit in der keine Moral das Gewissen des Menschen regiert, sondern nur Stärke die Schwäche. Nur wenige versuchen eine Ordnung wiederherzustellen, eine Gesellschaft zu errichten, die den Gefahren des allgegenwärtigen Chaos trotzen kann. Von welcher Zeit reden wir? Richtig, der Zukunft.

DIE SPIELMECHANIK

Jeder Spieler beginnt das Spiel mit vier Handkarten. Die Handkarten bilden „Locations“ ab, d.h. Orte und Personen, die einem durch ihre Dienste Rohstoffe (Benzin, Ziegel, Ersatzteile, Waffen), Arbeiter, Kontakte (Bautrupps, Söldner, Händler, Alleskönner) Geld (Munition ist die Währung der Endzeit und steht in diesem Spiel als Joker für jeden beliebigen Rohstoff), weitere Handkarten oder Siegespunkte bringen. Durch einen anfänglichen Draftmechanismus kommt man jede Spielrunde an neue Karten und kann ein bisschen einschätzen, auf was es der Gegner so abgesehen hat.
Danach sind die Spieler reihum dran, Karten auszuspielen oder andere Aktionen zu tätigen:

Das Bauen einer „Location“ durch Auslegen einer Karte, um deren permanente Vorteile zu nutzen (wie z.B. Produktion neuer Rohstoffe, Umwandlung von Rohstoffen in Siegespunkte oder andere Dinge, etc., erfordert Bautrupps)
Das Plündern einer „Location“ durch Auslegen einer Karte (Karte wird abgeworfen, dafür gibt es aber einmalig Plündergut in Form von Rohstoffen, Arbeitern (Sklaven, hehe) etc.
Das Plündern einer „Location“ bei anderen Spielern (ausgelegte Karte verwandelt sich in „Ruine“, man erhält dafür das Plündergut
„Make a deal“ Handel treiben, um jede Runde an Rohstoffe zu kommen (Karte wird ausgespielt. Erfordert Händler)
Aktionen durchführen (viele Karten sind Aktionskarten, sobald gebaut, kann man ihre Aktion ausführen. Bsp.: Zahle 1 Arbeiter und 3 Ersatzteile und erhalte 3 Siegespunkte)
Ausbau oder Umbau einer „Location“ (auf einem anderen Gebäude oder auf einer Ruine ein neues Gebäude errichten. Erfordert Ziegelsteine.)
Passen (Beendet die Runde für den Spieler. Andere Spieler spielen so lange weiter, bis alle gepasst haben. Ein Spieler der gepasst hat, ist vor Angriffen geschützt)

Wenn alle gepasst haben, beginnt eine neue Draftphase, außerdem generieren alle Produktions-“Locations“ und alle Handelsbeziehungen neue Rohstoffe, Arbeiter, etc. Das geht alles so lange, bis jemand 25 Siegpunkte erreicht hat. Dann wird die aktuelle Runde zu Ende gespielt und es gibt eine Endwertung, wo jeder Spieler noch einmal für alle errichteten „Locations“ Siegespunkte bekommt.

Es ist daran zu denken, dass die Rohstoffe, die man bis zum Passen nicht irgendwie verwurstet hat verfallen. Also muss effizient gewirtschaftet werden, um Verschwendung zu vermeiden. So stellt man die Zahnräder seiner Wirtschaft genau ein, dass der Ertrag immer höher wird, dass man vor dem Passen immer mehr erreichen kann, die Züge also immer länger und produktiver werden. Das ist der eigentliche Spaß an dieser Mechanik („Ok, mit dem Arbeiter produziere ich einen Ziegel, damit baue ich das Gebäude aus, was mir zwei Benzinkanister bringt, diese Kanister tausche ich in Händler um, welche mir eine neue Handelsbeziehung bescheren. Dadurch bekomme ich Ersatzteile, die ich auf einer „Location“ in Siegespunkte umtauschen kann...“ usw.).

Wer schon Imperial Settlers kennt und gespielt hat, wird enorm viele Parallelen entdecken. Die beiden Spiele teilen sich die gleiche Mechanik mit nur kleinen Änderungen. Settlers funktioniert ein wenig fraktionsspezifischer, während 51st State etwas generischer ist. Dafür besitzt es eine andere Baumechanik über die Rekrutierung von Personal zum errichten von Gebäuden. (Gebäude werden gar nicht wirklich „gebaut“, Leute durchwandern das Ödland auf der Suche nach wertvollen Plätzen und legen dabei Distanzen zurück. Umso weiter weg, umso wertvoller, aber auch umso mehr Personal wird gebraucht, um die Orte zu erschließen). Das bauen von 51st ist daher etwas komplexer und erfordert noch mehr Organisation. Außerdem ist es ein etwas aggressiveres Spiel, da kein Gebäude vorm Plündern durch Mitspieler geschützt ist (was bei Settlers der Fall ist).


DAS THEMA

In einer post-apokalyptischen Welt ist jeder Rohstoffe wertvoll. Nichts darf verschwendet werden. Eine falsch umgesetzte Planung, kann den Tod bedeuten. Das kommt sehr gut rüber. Wer sich verzettelt macht sich verwundbar und wird von Rivalen überfallen. Nichts ist geschenkt, alles ist teuer. Optimierung bedeutet Überleben. Und durch viele Anstrengung hindurch kann etwas neues entstehen. Eine neue Gesellschaft, die langsam und begleitet durch viele Rückschläge, irgendwann von Dauer sein kann. Dieses Feeling fängt 51st State gut ein. Mir fällt bei diesem, wie auch bei anderen Titeln aus Osteuropa (Portal Games, CEG) mit überraschender Häufigkeit auf, wie thematisch Eurogames sein können. Daumen hoch!


ARTWORKS UND KOMPONENTEN

In dieser Master Edition hat man an nicht gespart. Die Komponenten sind individualisierte Holzsteine (kleine Knarren, Zahnräder etc.). Die Karten besitzen hochwertiges Artwork, welche eine entfremdete Endzeitszenerie andeuten, in der wirklich alles im Arsch oder degeneriert ist. Das ist den Illustratoren wirklich gut gelungen.

Außerdem kommt die Master Edition sogar mit zwei Add-Ons (Winter, New Area) die vorher nur separat erhältlich waren, was den Wiederspielwert enorm steigert.


FÜR WEN:

Eurogamer müssen diesen Enginebuilder einfach lieben!
Alle Fans des Themas, da thematisch gut umgesetzt.
Enthält einen gut spielbaren Solitärmodus mit Highscorefunktion, zum Trainieren und sich immer wieder selbst überbieten.
Absolut turnierfähig.


FÜR WEN NICHT:

Anfangs recht unübersichtlich, daher eher was für Vielspieler.
Wer Imperial Settlers schon hat, braucht 51st State nicht wirklich, nur wenn er sehr vom Spielprinzip überzeugt ist (Ich persönlich mag es lieber als Imperial Settlers, besitze und spiele beide sehr gerne).


FAZIT

51st ist ein Eurogame mit starkem Thema. Die Regeln sind schlank und schnell gelernt, an der Übersicht haperts ein wenig aufgrund der vielen Möglichkeiten, die einem schon sehr früh zur Verfügung stehen. Daher ist das Spiel nicht so sehr etwas für Gelegenheitsspieler. Der Vielspieler und Liebhaber der Endzeitthematik kommt aber auf jeden Fall auf seine Kosten. Ich kenne kaum Kartenspiele, in diesem Format, die solch einen strategischen Tiefgang und Wiederspielwert besitzen wie 51st State (spielt auf jeden Fall in der gleichen Liga mit 7 Wonders und FFG-LCGs).

Probiert es einfach aus! Ihr werdet es sicher nicht bereuen.


DIE ZWEITE MEINUNG:

Hier werden die Regeln gründlichst erklären. Macht das Lesen der Anleitung eigentlich überflüssig:

https://www.youtube.com/watch?v=tePeV10twKM


Schon gespielt? Dann schildert uns doch kurz eure Erfahrungen:

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